Sonntag, 15. April 2018

Glosse LXIII

Wenn von einem langjährigen Ex-Ministerpräsidenten die Rede ist, dann fragt man sich doch, wie viele Jahre er eigentlich Ex-Ministerpräsident war. Waren das mehr als die Jahre, in denen er Regierungschef war (immerhin 1991–1998, 2002–2006, 2008–2010 und 2012-16)?

Freitag, 13. April 2018

Unterwegs (3)

Im Kaffeehaus an einem der Nebentische zwei junge Frauen. Die eine erzählt der anderen mit leider unüberhörbar lauter Stimme in allen Einzelheiten, wie sie sich ihren Ehering vorstellt. Und selbstverständlich auch den ihres Verlobten. Der wolle zwar keinen Ehering tragen, aber es müsse natürlich trotzdem einer angefertigt werden, schon wegen der Zeremonie, und außerdem solle er es ruhig probieren, vielleicht gewöhne er sich ja daran. Sie finde jedenfalls, er solle ihn tragen, denn ein Goldring am richtigen Finger, das bedeute, der Mann sei vergeben, da wisse jeder gleich Bescheid. 

Mittwoch, 4. April 2018

Zukunft einst und jetzt

Früher war vielleicht nicht alles besser, aber wenigstens die Zukunft war noch nicht alternativlos. Ich erinnere mich genau: Früher war Zukunft etwas Unbestimmtes, ein Reihe von Möglichkeiten, etwas, das erst noch gestaltet werden musste. Heute hingegen heißt es dauernd: So und so werden wir leben, das und das kommt, diese Entwicklung ist unvermeidbar, dieser Trend wird sich auf jeden Fall durchsetzen, schon bald werden wir alle nur noch usw. usf. Früher war Zukunft offen, heute gilt sie als vorherbestimmt durch technologische Evolution. Früher konnte man sich auf das, was vielleicht kommt, freuen oder sich davor fürchten, man konnte erwartungsvolle Ansprüche anmelden oder kritische Bedenken äußern, man konnte etwas vorhaben oder alles auf sich zu kommen lassen. Heute aber kann man sich angeblich nur noch mit dem Unvermeidlichen arrangieren oder man wird ausrangiert werden.
Gewiss gab es immer schon Vorhersagen. Meistens falsche. Die guten waren die der Propheten: Wenn ihr nicht ablasst von eurem sündigen Treiben, wird das und das Unheil über euch kommen. Das war Kritik an der Gegenwart um der Gegenwart willen, bei der eine üble Zukunft angedroht wurde, auf dass sie nicht eintrete.
Heute passiert das Gegenteil solcher Prophezeiung. Kritik an den aktuell herrschenden Verhältnissen wird beiseite geschoben, weil ohnehin schon feststeht, was kommt. Nämlich eine Zukunft, die man auch nicht mehr ernsthaft kritisieren kann, weil man damit nur zeigt, nicht verstanden zu haben, dass sie unvermeidbar ist.
Dass der technologische Innovationsdruck kein Schicksal ist, das man hinnehmen muss, dass es vielmehr gälte, die Zusammenhänge zu analysieren und zu verändern, die die Durchsetzung bestimmter Technologien forcieren, dass nichts gemacht wird, weil es machbar ist, sondern allein deshalb, weil es gewollt wird, und dies, weil es Profit bringen soll — all diese Selbstverständlichkeiten geraten aus dem Blick, wenn nur noch mit als bescheidwissende Nüchternheit getarntem Technikoptimismus der Zwang beschworen wird, dem jeder sich beugen müsse, weil der Markt im Grunde längst entschieden habe, welcher Konzern mit welcher Entwicklung erfolgreich sein werde.
Früher war Zukunft Chance, heute wird sie auf ein abgekartetes Spiel reduziert. Auf, lasst uns Spielverderber sein!

Montag, 2. April 2018

Freitag, 30. März 2018

Unterwegs (2)

Eigentlich hätte ich den drei jungen Männern (mutmaßlich vom indischen Subkontinent) in der Nähe des Stephansplatzes gern gesagt: "This is Europe! Respect our values! Free your ankles!" Hosenbeine bis zum Schuh bei 14 Grad Celsius, wo gibt’s denn sowas! 

Beim Ostermarkt am Hof gibt es einen Stand namens Käseparadies. Wenn das das Paradies ist, möchte ich nicht wissen, wie die Käsehölle riecht.
 
Schade, dass die Menschen keinen Bezug zu Karfreitagsritualen mehr haben. Vielleicht würden ihnen sonst heute Fleisch, Wurst, Schinken und Speck noch besser schmecken.

Wie intolerant von mir. Am Nebentisch bestellt jemand einen Cappuccino mit Sojamilch, und ich bin genervt. 

An mir ist es, andere zu nerven. Ich gebe Kellnern nach der Teebestellung eine Sanduhr mit, und wenn der Tee lange genug gezogen hat, presse ich den Teefilter mit meiner Teebeutelzange aus … Ha!