Donnerstag, 27. Juli 2017

Von der Flüchtlingskrise lernen

He, ich hab die Lösung für das Problem der Gentrifizierung! Die Menschen, die auf Grund zu hoher Mieten und zu geringen Einkommens ohnehin keine Chance haben, in guter Gegend zu wohnen, werden in „hotspots“ weit außerhalb der Städte von militärisch unterstützten Immobilienmaklern darüber aufgeklärt, dass es besser für sie ist, wenn sie und ihre Familien gar nicht erst versuchen, der Obdachlosigkeit zu entgehen.

Glosse LIV

„Stress ist die Geisel unserer Zeit.“ (FAZ) Aber wozu nimmt die Zeit den Stress als Geisel? Will sie damit das Esszett freipressen?

Sonntag, 23. Juli 2017

Notiz zur Zeit (152)

Wenn bei Trump das Begnadigen so gut klappt wie die der Muslim Ban, die Abschaffung und Ersetzung von Obmacare oder Finanzierung und Bau der Mauer gegen Mexiko, dann sollten sich die zukünftigen Betroffenen schon mal was Hübsches in Orange herauslegen.

Glosse LIII

Fackeltanz am Residenzplatz. Wäre es nicht, statt sich an Hauswänden entlangzudrücken, einfacher gewesen (und pyrotechnisch verantwortungsvoller), man hätte auf dem Platz getanzt?

Samstag, 22. Juli 2017

Notiz zur Zeit (151)

Doppelte Verrücktheit: 1. Die Leute sind ganz aus dem Häuschen, wenn sie Mitglieder des großbritischen „Königshauses“ begaffen können. 2. Befragt, was ihnen an denen gefällt, antworten sie, dass sie „so natürlich“, „so normal“, „so gar nicht abgehoben“, „so bürgernah“ seien. — Teuren Wein bestellen und sich freuen, wenn er wie Leitungswasser schmeckt.

Freitag, 21. Juli 2017

Notiz zur Zeit (150)

Scheint ein ehernes Gesetz der Geschichte zu sein: Die es aus ästhetischen Gründen am wenigsten sollten, entblößen sich in der Sommerhitze am meisten.

Donnerstag, 20. Juli 2017

Die „Helden vom 20. Juli 1944“?

Jenes Gesindel, das Hitlers Machtergreifung bejubelte und später Hitlers Krieg führte, dann aber, als der grandios verloren zu gehen drohte, den Karriereknick mit eigener Machtergreifung kompensieren wollte, als „Helden“ zu bezeichnen, ist lächerlich.

Was sich verändert hat

In meiner Jugend durfte man annehmen, dass der Irrsinn in der Welt darauf zurückgeht, dass Bösewichter regieren. Heute denke ich eher, dass das Böse in der Welt dazu führt, dass Verrückte regieren. Geherrscht wird von oben, aber die Macht kommt von unten. Die Leute sind auch Verführte, gewiss, aber es gibt eben auch diese Lust an der eigenen Mickrigkeit, die gern in Hass auf alles umschlägt, was die unbegründete Selbstzufriedenheit in Frage stellt oder stellen könnte. Das ist eine gute Grundlage für die Diktatur der Witzfiguren.

Mittwoch, 19. Juli 2017

Notiz zur Zeit (149)

Von 2010 auf 2016 steigerte sich der Anteil der Heterosexuellen unter denen, die den Berliner CSD besuchten, von 28 auf 42 Prozent. Bleibt es bei dieser Steigerungsrate, sind es noch vor 2030 100 Prozent. Ich halte das für eine gute Nachricht.

Notiz zur Zeit (148)

Der Tag, an dem zwischen „Missbrauchsvorwurf“ und „Missbrauchsfall“ unterschieden würde, ginge als Wendepunkt in die Geschichte ein.

Dienstag, 18. Juli 2017

Notiz zur Zeit (147)

Das Gute an Erscheinungen wie Kurz und Sobotka (sofern man da überhaupt von Gutem sprechen kann) ist ja, dass man ihnen ihre Dummheit und Niedertracht auf den ersten Blick ansieht. Da gibt’s kein Vertun.

Montag, 17. Juli 2017

Notiz zur Zeit (146)

Wozu die Leute Zombiefilme brauchen, werde ich nie verstehen. Ich finde, die gewöhnlichen Fernsehnachrichten sind Horror genug.

Samstag, 15. Juli 2017

Notiz zur Zeit (145)

Fußfesseln für Gewalttäter? Aber würde das die Polizisten im Dienst nicht behindern?

Notiz zur Zeit (144)

Ein Konzert in der Elbphilharmonie mit Musik von Johann Sebastian Bach für beim G20-Gipfel im Einsatz gewesene Polizisten und ihre Angehörigen. Gute Sache. Nur das nächste Mal bitte vor dem Einsatz. (Bach läutert.) Oder, noch besser, stattdessen.

Freitag, 14. Juli 2017

Notiz zur Zeit (143)

Immerhin hat Bundeskanzlerin Merkel jetzt durchgesetzt, dass die Pandas, die Chinas Regierung an den Berliner Zoo verliehen hat, ab sofort Liu und Xiaobo heißen.

Donnerstag, 13. Juli 2017

Notiz zur Zeit (142)

Talkshow-Skandale. Früher gab’s Kinski. Heute gibt’s Bosbach. Früher war besser …
Ich bewundere immer wieder die Fähigkeit akademischer Akrobaten, sich selbst ins Hirn zu scheißen.

Notiz zur Zeit (141)

H.C. Strache hat das Große Goldene Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich verliehen bekommen? Es muss ein Drecksland sein, das einen Dreckskerl ehrt.

Dienstag, 11. Juli 2017

Notiz zur Zeit (140)

„Schanze schlimmer als Auschwitz.“Na gut, das haben sie sich bis jetzt noch nicht zu schreiben getraut. (Aber ich.)

Nachtrag zum Fragment über die „marodierenden Banden“

Die Wut der Politiker und ihres journalistischen Trosses gegen die „marodierenden Banden“ erklärt sich mir aus dem Neid auf den Lustgewinn bei der karnevalistischen Sachbeschädigung. Neonazis, die Flüchtlingsunterkünfte anzünden, sind einfach nur jämmerlich, mit denen mag man sich nicht identifizieren (auch wenn ihre Taten nur Effekte der eigenen Politik der rassistischen Abschottung sind). Randalierende Jugendliche hingegen, die sich nicht Schwächere, sondern die verkörperte Staatsmacht zum Gegner wählen und die die Grundlage des bürgerlichen Staates, das Eigentum, brutal missachten — die umweht ein Hauch von apokalyptischer Befreiung. Eben nicht nur für die Sympathisanten daheim auf der Couch und im Netz. Sondern gerade auch für die, die sie darum hassen. Die ganze Härte des Gesetzes soll jene treffen, die mehr Spaß haben als man selbst und die fremde Götter anbeten. Nur so kann man das gute Gewissen davor bewahren, heimlich Räuschen entgegenzufiebern, die den Gang der Geschäfte verwirren könnten. Gewalt (wenigstens im Wort) gegen Gegengewalt, das ersetzt dem staatstragenden Bürger die dionysische Erfahrung. Auch nichts Neues.

Etwas Grundsätzliches

Was mich am meisten ärgert, ist gar nicht die Scheiße selbst; die ist selbstverständlich widerlich und gehört weg. Sondern was mich am meisten ärgert, ist die massenhafte Zustimmung zum Beschissenwerden und die Lust am eigenen Bescheißen.

Aufgeschnappt (bei Max Frisch)

Dass mit Gewalt nichts zu verändern sei, das sagen auch die Inhaber der Macht. Man kann ihren Ärger verstehen, wenn es zu Unruhen kommt; zwar werden sie damit fertig, aber die gewaltlose Unterdrückung, Repressalie in Ruhe und Ordnung, ist ungefährlicher auch für sie, denn die Anwendung von Staatsgewalt hat immer etwas Aufreizendes, etwas Lehrreiches, sie bringt zum Bewusstsein, dass die Botschaft von der Gewaltlosigkeit immer an die Unterdrückten gerichtet ist.

Montag, 10. Juli 2017

Gipfelsplitter

„Zum G20-Gipfel werden Tausende Linke aus dem Ausland erwartet.“ Stimmt eigentlich. Wo bleibt vorm und beim Weltherrschergipfel der Protest von rechts? Wenigstens der inländische? Siehste.

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„Das Treiben prügelsüchtiger Gruppen, denen sonst nichts fehlt, dominiert leider nicht nur die erlaubten Proteste, sondern die gesamte Wahrnehmung der Gipfel.“ Ich finde es ungeheuerlich, wir Reinhard Müller (FAZ) hier gegen die Polizei hetzt.

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Ich finde, der Gipfel ist ein voller Erfolg. Die Polizei freut sich, dass sie all ihr schönes Gerät verwenden und ein bisschen prügeln kann. Die Demonstranten freuen sich, dass sie heldenhaft für ein bessere Welt oder gegen die Langweile kämpfen können. Die Bürger freuen sich, dass sie sich über Schurken erregen können, die sinnlos Gewalt anwenden (womit sie erstaunlicherweise nicht die Gipfelteilnehmer meinen, sondern „marodierende Linksradikale“). Und die Herrscher dieser Welt freuen sich, dass sie wichtig sind und die Geschäfte gut laufen.

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Nur der Papst meckert wieder rum. Aber den hat ja auch keiner eingeladen.

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Ist es Heuchelei oder sind Gipfelgegner und Gipfelgegnerinnen, die sich über das Verhalten der Polizei beschweren, wirklich so naiv? Glauben die wirklich immer wieder von Neuem an die Mär vom „Freund und Helfer“, der in der Hauptsache dazu da ist, gebrechliche Omas liebevoll über die Straße zu bugsieren? Der moderne Staat ist dazu da, dass die Reichen ungestört reicher werden können und der Rest der Gesellschaft in Schach gehalten wird. Die Polizei ist des Staates Büttel mit dem Knüppel. Zu seiner täglichen Arbeit gehört es, Feindbilder aufzubauen und durchzusetzen. Was aber bestätigt die systemrelevanten Ressentiments der hart arbeitenden Mehrheit der Gesellschaft besser, als eine mit Wasserwerfern, Tränengas und Schlagstock vorgenommene Unterscheidung von friedlichem Protest und mutwilligen Krawallmachern? Da lobe ich mir (ohne Straftaten gutzuheißen, was ja strafbar wäre) die, die privat mit dem Ziel der Randale angereist sind und sich ihr Vergnügen besorgt haben. Das ist ehrlich und durchdacht. Die wollen nix verbessern, die wollen Spaß. Mit der Polizei physisch zu konfligieren scheint Spaß zu machen. Schaufenster einzuschlagen, scheint Spaß zu machen, auch ohne Plündern. Autos anzuzünden, scheint Spaß zu machen. (Hier trifft der kriminalisierbare Hedonismus einer Minderheit mit dem braven Konsumismus der Mehrheit zusammen, das Auto ist beiden eine heilige Kuh.) Zu glauben, man könne das herrschende System ernsthaft kritisieren — und am Straßenrand stünden Politiker, Journalisten und Polizisten und applaudierten, wäre ziemlich doof. Aber das glaubt ja eh keiner, oder?
 
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G20 einigen sich auf freien Handel. Ich atme auf.
 
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„Der HVV verschenkt Monatskarten an Autobesitzer, deren Wagen bei den G20-Krawallen in Brand gesteckt wurden.“ Und so haben die Randalierer auch noch der Umwelt was Gutes getan. Wenigstens für einen Monat.
 
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Wenn das wohlstandsverwahrloste Spießergesindel wirklich über das bisschen Randale in Hamburg erschrocken ist, dann empfehle ich ihm dringend, sich mal im Rest der Welt umzusehen. Dort findet sinnlose Brutalität statt, gegen die das infantile Autoabfackeln und Polizistenärgern wie ein Fliegenschiss neben Tschornobyl wirkt.
 
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Eigentlich könnte es ganz reizvoll sein, wenn die brutalen Kriminellen, die das arme Hamburg so verwüstet und der Polizei solche Sorgen gemacht haben, ausgeforscht würden. Bin gespannt, wie viele V-Leute des Verfassungsschutzes darunter wären.
 
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Nachtrag. Ein besonderes Verbrechen bei dem an unschönen Ereignissen nicht armen Gipfel zu Hamburg war es, den Staatsgästen ausgerechnet Musik des Anarchisten Ludwig van Beethoven zu servieren.

Fragment über die „marodierenden Banden“

Man muss da, meiner bescheidenen Meinung nach, keine historischen Gesetzmäßigkeiten und politökonomischen Dialektiken bemühen. Es geht bei all diesen Phänomenen schlicht darum, auf Kosten anderer die eigene Bedürftigkeit zu kompensieren. Die Leuten handeln doch in aller Regel nicht aus Überzeugungen (Islamismus, Marxismus, Neonazismus, Blablabla), sondern sie suchen sich die Überzeugungen und Praktiken, von denen sie sich die beste Befriedigung ihrer Bedürfnisse (nach Anerkennung, Spaß, Kommunität, Grandiosität usw.) versprechen zu dürfen meinen. Strategien des Rechthabens und des Insunrechtsetzens aller anderen, um sich gegen Kritik und Gewissen zu immunisieren. Kommt einem bekannt vor, oder? Nur dass die meisten nicht hingehen und Autos anzünden oder Geiseln enthaupten. Aus verschiedenen Gründen, die man vom Effekt her alle gutheißen kann. Aber die alltägliche Rücksichtslosigkeit ist auch nicht viel besser, nur weniger plakativ. Und das summiert sich dann tatsächlich zu so etwas wie gesellschaftlichen Verhältnissen. Von unten nach oben. Gewiss, die Strukturen (beispielsweise: class, race, gender) wirken auf das Verhalten zurück, aber zunächst ist es das Verhalten (von jedem zu allen), das die Strukturen begründet. Terrorismus ist der trotzige Versuch, dem Staat, an den man nicht ran kann, weil alle ihn verwirklichen, seine Imitation („Guck mal, Vati/Mutti, ich kann so brutal sein wie du“) entgegenzuhalten. Das gibt dem Staat Gelegenheit zur Klage, zur Sorge und zum Ausbau seiner Kontrollsysteme. Es sind keine abstrakten „Interessen“ oder ökonomischen Notwendigkeiten, die da eine Totalität steuern. Es geht um die Mickrigkeit des eigenen Daseins, mit der viel zu viele nicht zurechtkommen, weil sie in die falsche Richtung schauen. Auf diese Weise bleiben leider viel zu viele auf der Strecke. Kann man da gar nichts machen? Doch, man könnte. Aber nicht allein. Eben das ist der Irrtum.

Donnerstag, 6. Juli 2017

Montag, 3. Juli 2017

Notiz zur Zeit (138)

„Liste Peter Pilz“ ist natürlich Quatsch. „Liste Beleidigte Leberwurst“ muss das heißen. Slogan: Demokratie ist, wenn ich gewählt werde. Sonst gründe ich mein eigenes Parlament.